Reinhart Sellner 

Liedermacher auch

Wie das mit dem Singen angefangen hat

Singen in der Schule/BRG 18 Schopenhauerstraße (Chorgesang bis zum Stimmbruch). Erste Gitarren-Akkorde lerne ich mit 12, 13 in den Sommerferien in Aschach/OÖ, mit viel Herzklopfen und roten Ohren, von der gleichaltrigen Tochter der Nachbarin meiner Großeltern. (Brauner Bär und weiße Taube, Muss i denn zum Städtele hinaus

Anfang der 60er Jahre , in meiner jugendlichen Auseinandersetzung mit Eltern, Nazi-Faschismus und Krieg werde ich im Verband sozialistischer Mittelschüler VSM aktiv, politische Sozialisation über Kapital-Schulungen (Referent: Charly Blecha), Klassenkampf, 1934, Widerstand, Tischtennisspielen, Nachtwanderungen. 

Bei Wochenendschulungen lerne ich Arbeiterlieder und Antifa-Lieder, sing auch Folksongs am Lagerfeuer (Blowing in the Wind, Irene good night), Pete Seeger, Big Bill Broonzy, Leadbelly, die Stones, John Lennon, KINKS + Degenhard als Vorbilder. Texte hab ich von LPs abgehört, abgeschrieben und dazu Akkorde gesucht, an Dylan-Texten bin ich gescheitert. Mit 17 suchen die „Vienna Dandies“ einen Bassisten, ich zupfe mehr schlecht als recht den e-Bass und darf die „harten“ Sachen singen (House oft he Rising Sun, Twist and Shout, Girl, Lazy Afternoon, Ticket for an Airplane). Mit 18 entscheide mich für Basketball und Landhockey, verkaufe den e-Bass und kauf mir eine EKO-Counry-Gitarre zum Für-mich-und-vor-mich-hin-singen, alleine zu Hause, zum Fenster hinaus.

Wie es weitergegangen ist

1965-71 Lehramtsstudium in Wien (Deutsch, Geschichte), für vier Sommerferien arbeite ich als Eisenbieger am Biegeplatz der Fa. Kastner in Grödig und auf Baustellen in Salzburg, OÖ, Tirol. Wieder in Wien schreib ich erste Lieder (Take this Hammer/Nimm mei Werkzeug, Blues vom weißen Hemd, In Paradies).

Lehrer, Gewerkschafter und Liedermacher 

1971 – 2012 Lehrer am BRG 18 Schopenhauerstraße, Ende der 70er-Jahre bis Mitte der 80er unterrichte ich auch an einer Hauptschule (Gesamtschulversuch), IGS Spallartgasse, eine 3. Deutsch-Leistungsgruppe.

Der Schuleinstieg brachte mir und anderen kinderfreundlich-antiautoritären JunglehrerInnen heftige Auseinandersetzung mit ihrem autoritär-reaktionären AHS-Direktor, mit SPÖ-Parteibuch. Wir treffen uns am Abend, nach der Schule, da schreib´ und singe ich spätabends vom Grauen Haus und vom neuen Haus, vom neuen Leben und Mir san net aner Meinung, mei Oida und i). 

Mitte der 70er werde ich an der Schule zum Gewerkschafts- und Personalvertreter gewählt, werde mit Gleichgesinnten im KP-nahen Bund demokratischer Lehrer (damals noch ohne -Innen) und im GLB für Gesamtschule und Demokratisierung in Schulen und Betrieben aktiv. KPÖ-Beitritt 1973.

Ende der 80er löst sich der BDL auf, ich beginne meine Mitarbeit in der Österreichischen LehrerInnen Initiative ÖLI. Mit Heidi Pirchner, Richard Koller, Gary Fuchsbauer u.a. werde ich auch Gründungsmitglied der Unabhängigen GewerkschafterInnen für mehr Demokratie in der GÖD. 2004 kommen wir bei den Personalvertretungswahlen auf über 9%, werden aber erst nach einem mehrjährigen, bis zum OGH geführten Prozess 2015 von der „schwarzen“ GÖD (FCG-Mehrheit + FSG) als Fraktion anerkannt. 2015-2019 vertrete ich unsere „ÖGB-Fraktion in der GÖD“ UGÖD im GÖD-Vorstand.

Seit 2019 Freiberufler, liederlich bluesig.
Allein und gemeinsam mit Timo Brunnbauer, als liederliche Lesungsbegleiter von Luis Stabauer (Die Weißen, Roman, erschienen 2018 + Brüchige Zeiten, 2020)

Mitte der 70er-Jahre erste Liedermacher-Auftritte bei KSV- und anderen linken StudentInnenfesten, 1976 mit Heino Fischer und Joschi Hanak in der Arena, spiele beim letzten Liedermacher-Kleinkunstabend im Folkklub Atlantis 1977, bei Kulturinitiativen außerhalb Wiens, bei KP- und SP-Festen, beim Hanns Eisler-Treffen der politischen Liedermacher in Wien 1978, beim Volksstimmefest und im Stand-up-Club in Fischamend und komm auch in „Ohne Maulkorb“ und „Musicbox“ vor. Ich singe bei Demos und Solidaritätsveranstaltungen, in Wien und Kärnten für die Rechte der Kärntner Slowenen (Heimatlied besonderer Art, Persman-Lied), in der Friedensbewegung für Initiativen, Hiroshima-Gruppe und Künstler für den Frieden (Ballade vom Kind, I steh auf dem Lennon sei Give Peace a Chance, Frieden is mehr), für Nicaragua (Gib net auf), Donnerstagsdemos … Mitarbeit in dem von Erich Demmer 1977 initiierten Verein kritischer Liedermacher VERKL.

Im Eigenverlag, mit befreundeten Musikanten und dem Schmettersound-Tontechniker Herbert Kopecky entstehen zwei EXTRAPLATTE-LPs (Halten verboten 1979, Dankeschön 1981), mit Günther Kleins Jazz-Quintet folgt 1988 LP 3  Des waa scho wos.
Sampler: ORF-Musicbox-Hörerlieder 1975, Folkklub Atlantis live 1978, Neue Lieder für Österreich/Hanns Eisler-Treffen 1978, Gib Bussi/Lehrlingslieder 1981, Künstler für den Frieden 1982 

 


Ab den 90er Jahren werden Kulturinitiativen weniger, „Ohne Maulkorb“ und „Musicbox“ werden eingestellt, ich habe kaum Liedermacher-Auftritte, singe aber weiter auf Demos, Mai-Feiern der KP, Antifa- und  Soilidaritäts-Veranstaltungen, bei ÖLI-Seminaren und UG-Treffen.

Arbeitsschwerpunkte für die nächsten mehr als 20 Jahre sind meine Schul-Arbeit mit SchülerInnen in der Schopenhauerstraße (beim D-ME-Projekt Musik unserer Eltern 1992 überarbeiten meine ZweitklasslerInnen , der dabei entstandene Schopenhauer is a Hammer-Song wurde im Lauf der Jahre zu einer Art Schulgemeinschaftslied) und die Personalvertretungsarbeit nicht nur an der Schule, sondern auch auf Wiener und Bundesebene, dazu kam die parteiunabhängige Gewerkschaftsarbeit in der GÖD. 

2006 werde ich zu einem der beiden Vorsitzenden der Unabhängigen GewerkschafterInnen in der GÖD gewählt, gemeinsam mit der Betriebsrätin Beate Neunteufel-Zechner von der Nationalbibliothek.
 
2018 hör ich mit der Gewerkschaftsarbeit auf, die Jungen fechten´s sleber aus ... KollegInnen FreundInnen der UGÖD schenken mir zum Abschied ein Konzert im Reigen.

2020 ff.

Seit 2012 singe ich im VHS-Chor der GALILEOS, und mit ihrer lebensfroh-aufmunternden Chorleiterin Verena Roithmayer. 2014 werd ich von Ulli Fuchs ins 7*Stern zum Mitsingen beim Tribute to Pete Seeger eingeladen, im Herbst darauf versuch ich´s wieder einmal beim Volksstimmefest. Verena vermittelt die Zusammenarbeit mit Rigas Karagianis, der GALILEOS-Konzerte am Klavier begleitet. Wir spielen 2015 und 2016 liederlich-jazzig im TAKTLOS.


Seit 2015 bin ich gemeinsam mit dem Bluesgitarristen und Poly-Lehrer Timo Brunnbauer unterwegs: Liederlich-bluesiges für unsere LehrerInnen/GewerkschafterInnen-Comrades in der ÖLI-UG.

2018: Der Blues ist auch ein Arbeiterlied im ÖGB


2019: Wer wenn nicht wir in der oö. Gesellschaft für Kulturpolitik in Linz, Liederlich-Bluesig im TAKTLOS. Am 1. März 2019 habe ich gemeinsam mit Timo und Rigas meinen UGÖD-Feierabend im REIGEN gehabt, organisiert haben ihn die Unabhängigen GewerkschafterInnen.


Seit dem Frühjahr 2018 begleite ich Luis Stabauer bei Lesungen seines widerständigen Romans Die Weißen mit Liedern, alternierend mit Kurt Winterstein, ab September 2020 bei Lesungen aus seinem grad erschienenen "europäischen Entwicklungsroman" Brüchige Zeiten.


Am 24. Jänner 2020 haben Timo und ich als „Sellner Duo“ beim Kulturverein Gallnsteine in Gallneukirchen gespielt. Ein guter Auftakt für das neue Jahr 2020.

Glück auf, trotz alledem !

CORONA ACTIVITIES im Jänner/Feber 2021

Sellner Duo = Reinhart Sellner + Timo Brunnbauer machen Musik zu zweit, manchmal auch zu dritt in Linz, im Bluesbüro-Basement/Probenkeller. Timo stellt Mikrofone auf und drückt die Play-Taste vom Aufnahmegerät, für eine erste Sellner Duo-CD "WALK ON". Wir wollen sie im März/April herausbringen und live präsentieren, wenn wir alle wieder aufatmen können und die Kultur wieder aufsperrt.  

TEXTE OHNE NOTEN

BLUES VON WEISSEN HEMD

Text + Musik: Reinhart Sellner

 

I hob a weißes Hemd, i  hob a weißes Hemd

I hob a weißes Hemd, a weißes Hemad

Owa i bin kaa reicha Mau

I ziag des Hemd hechstns am Sunndog au

 

I oaweit in Akkord, i oaweit in Akkord, 

I oaweit in Akkord, wia a Viech in Akkord

Hob drum an Fernsehapparat

Und schlof auf´d Nocht bein Fernsehn ein

 

I leist ma ollahand, i leist ma ollahand

I leist ma ollahand, i leist wos und i leist ma ollahand

damit´s a jeder siecht, 

dass i söwa waaß wer i bin

 

I bin z´friedn und froh, i bin z´friedn und froh

I bin z´friedn und froh, z´friedn und froh

Mei Voda woar net Waassgottwer

Wie sollt dann i a Mautner-Markhof sei

 

 

I hob a weißes Hemd, i  hob a weißes Hemd

I hob a weißes Hemd, a weißes Hemad

Owa i bin kaa reicha Maun

I ziag des Hemd hechstns am Sunndog aun

 






MEI OIDA UND I

Text + Musik: Reinhart Sellner

 

Mir sand net aana Meinung, mei Oida und i

Owa er hot kaa Ahnung, 

weu er frogt mi nie

 

Er hot kaa Ahnung, waas net von wos i draam

Er siecht mi nur lochn, I muass oft bled lochn

Damit i net waan

 

Owa irgendwann amoi, und des wissen tuat guat

Wird er Sööna schrein, „Sellner !!!“

Owa i bin dann fuat

24 STUNDEN 

Text + Musik: Reinhart Sellner       

 

So vüü Menschen, diesd´  kennst, diesd` kennenlernen mechst

Zum Reden, zum Stüü-sein, zum si 
g´´ spiern

Ohne Stundenplan, ohne auf die Uhr zum schaun, ohne End´

 

So vüü was zum tuan is, gemeinsam

Hööfn (helfen) und si wieder hööfn lassen

Ohne Stundenplan, ohne auf die Uhr zum schaun, ohne End´

 

Dass der Tag nur 24 Stunden hat,
's Leben nur a kurze Zeit

Is kaa Grund zum Resigniern

Es Leben is schee (schön), zumindest:

Schee kennt´s sei

 

So vüü Himmö, so vüü Tag und Nacht

Zum aafoch daliegn mit offene Augn

Ohne Stundenplan, ohne auf die Uhr zum schaun, ohne End

 

Und so vüü Elend, so vüü Angst

Und dagegen mitanander leben

Ohne Stundenplan, ohne auf die Uhr zum schaun, bis zum End

 

Dass der Tag nur 24 Stunden hat, ´
Leben nur a kurze Zeit

Is kaa Grund zum Resigniern

Es Leben is schee (schön), zumindest:

Schee kennt´s sei

 

Guat, dass i di wieder triff´- du, naa, ich muass glei wieder weg – aber waaßt was: wir ruafn uns zsamm - morgen - nächste Wochen oder nie - und mit die Kindern woit i spüün - und mit dir woit i allanich sein - und mit dir aa, natürlich – morgen, waaßt, nächste Wochen oder nie – besser waa heut:

 

Dass der Tag nur 24 Stunden hat, 
Leben nur a kurze Zeit

Is kaa Grund zum Resigniern

Es Leben is schee (schön), zumindest:

Schee kennt´s sei

Immer wieder!